Irkutsk
Zwei ganze Tage und drei Nächte dauerte die Fahrt von Jekaterinburg nach Irkutsk. Unser Abteilgefährte, vermutlich seit Moskau an Bord, versorgte uns mit Äpfeln, Keksen, Brot, Wurst, Instant-Kartoffelstock bis hin zur XXL-Wassermelone. Wir offerierten ebenfalls von unserem Proviant und der extra für solche Fälle mitgebrachten Toblerone, wovon er entweder nur probierte oder dankend ablehnte. Jedenfalls wurden wir nicht ganz schlau aus ihm. Er schien aber immer dann hungrig zu sein, wenn wir es auch waren oder genoss es einfach, gemeinsam zu essen - auch wenn wir uns leider nicht unterhalten konnten.
Am Morgen früh erreichten wir Irkutsk, wo das Thermometer erschreckende 4°C anzeigte. Die Privatunterkunft war glücklicherweise geheizt und die Dusche nach der langen Reise besonders herrlich. Gastgeberin Olga ist studierte Ökonomin und ihr Mann Sergej Zahnarzt, womit sie zum russischen Mittelstand gehören. In der kleinen 3-Zimmerwohnung mitten in der Stadt ist das Gästezimmer doppelt so gross wie ihr eigenes Schlafzimmer, das gerade Platz für einen Kleiderschrank und ein Doppelbett bietet. Wie etwa die Hälfte aller Städter haben auch sie eine Datscha, ein Ferienhäuschen im Grünen mit eigenem Garten. Wir kamen sogar in den Genuss von Gemüse und Früchten aus ebendiesem. Es war eine interessante Erfahrung, Einblick in das Leben einer russischen Familie zu erhalten.

In den Nebenstrassen von Irkutsk gibt es noch viele alte Holzhäuser mit den für die Baikalregion typischen Holzschnitzereien. Die Farbe blättert an vielen Stellen und einige sind in Schräglage geraten. Zudem wurde die Strasse erhöht, weshalb manche Fenster nun auf Trottoirhöhe sind. Im Park nahe der Stadtverwaltung hat es Bänke mit hoher Rückenlehne – ideal für ein Mittagsschläfchen. Die Uferpromenade des Flusses «Angara» hat etwas Friedliches. Obwohl sie nur wenige Meter tiefer als die 4-spurige Strasse liegt, hört man so gut wie nichts vom Strassenlärm. An Land und auf dem Wasser wurde fleissig gefischt, wofür man laut Olga keine Lizenz brauche.

Nach unserem Aufenthalt auf der Insel Olchon übernachteten wir nochmals in der gleichen Privatunterkunft und kauften in der Markthalle einige landestypische Snacks. Mehr dazu in einem späteren Beitrag.



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